Pilze in Gläsern züchten

Du hast dich also dazu entschieden zu lernen, wie man zuhause Pilze züchtet, möchtest du kein großes Investment in das ganze Zubehör tätigen und suchst nach einer Methode, die simpel ist und nicht viel Werkzeug benötigt? Du hast keine Lust darauf dir einen fertigen Substratblock zu kaufen, weil du nicht weißt, was du bekommst? Außerdem würdest du gerne den ganzen Prozess von Anfang an beobachten? Dann klingt das fast so, als wäre die „Glas-Methode“ perfekt für dich geeignet. Die Idee dahinter ist, Gläser mit Substrat zu befüllen, anschließend zu beimpfen und dann das Myzel kolonisieren lassen. Nachdem das ganze Glas kolonisiert ist, wird der Deckel abgenommen und der freigelegte Myzelteil befeuchtet und schon können die Pilze wachsen. Dafür benötigst du auch nicht viel Zubehör. Ein großes Glas mit Deckel, ein wenig Reismehl als Substrat und Vermikulit, welches du in jedem Baumarkt kaufen kannst. Außerdem benötigst du noch einen Pilz. Also entweder Myzel, in welcher Form auch immer, oder eine Sporenspritze. Plastikhandschuhe und eine Maske sind von Vorteil um alles so steril wie möglich zu halten, aber es funktioniert auch ohne.

PilzeInGläser1

Die PF-Tek Methode

Die „Glas-Methode“ ist eigentlich nichts anderes als die PF-Tek Methode, nur in einem großen Glas, statt in einem kleinen. PF-Tek wurde in den 90ern von einem aktiven Forenmitglied eines Mushroom-Forums „erfunden“. Ursprünglich entwickelt, um kleine „Mushroomküchlein“ zu kultivieren und diese in einem Plastikbehälter zum Fruchten zu bekommen, lässt sich das Ganze auch mit größeren Behältern umsetzen. Das schöne bei der PF-Tek Methode ist, dass sie sehr simpel gehalten ist. Das Vermikulit, welches mit dem Mehl vermischt wird saugt sich schön mit Wasser voll und hält somit das Substrat dauerhaft feucht, was Arbeit abnimmt. Das Reismehl hat genügend Nährstoffe, damit das Myzel schön darauf wachsen kann und mehr Zutaten gibt es auch nicht. Mit dieser Methode können die verschiedensten Pilzarten kultiviert werden. Da die PF-Tek Methode erfahrungsgemäß unsteril verwendet wird, empfehle ich Austernseitlinge zu verwenden. Diese sind vor allem für Anfänger wunderbar geeignet, weil man nicht viel falsch machen kann. Außerdem wachst das Myzel des Austernseitlings sehr schnell, was dabei hilft, Kontamination keine Chance zu geben. Dennoch funktionieren selbstverständlich auch andere Pilzarten.

Wie funktioniert die PF-Tek Methode?

Einen groben Überblick habe ich dir schon gegeben, im Folgenden möchte ich darauf noch genauer eingehen, damit du so gut wie möglich darauf vorbereitet bist deine Pilze zuhause selber zu kultivieren.

Zuerst betrachten wir uns die Dinge, die wir benötigen. Bitte nicht erschrecken, die Liste ist nicht kurz, aber das meiste solltest du sowieso bereits zuhause haben:

  • Großes Glas (zwischen 0,5-1 Liter, mit weiter Öffnung)
  • Vermikulit (alternativ ginge auch Sägemehl für den Austernseitling, aber bleiben wir bei den ursprünglichen Zutaten)
  • Reismehl (am besten wäre Brauner Reis)
  • Wasser
  • Messbecher
  • Schüssel zum mischen
  • Desinfektionsmittel
  • Nagel und Hammer
  • Alufolie
  • Myzel oder Sporenspritze
  • Plastikhandschuhe und Maske

Als nächstes noch das Mischverhältnis unsere Zutaten und dann können wir auch schon loslegen.

Pro halber Liter Glas:

  • 100g Vermikulit
  • 500g Wasser
  • 350g Mehl
PilzeInGläser4
PilzeInGläser4

Substrat herrichten

Zuerst gibst du dein Vermikulit und das Wasser in eine große Schüssel und vermischst es. Dieses Gemenge mischst du immer wieder durch, bis das Mineral das Wasser aufgesaugt hat. Sollte das Vermikulit nicht alles aufsaugen, lässt du das restliche Wasser abfließen.

Anschließend gibst du das Mehl hinzu. Und du mischst es noch einmal kräftig um. Wenn du jetzt alles richtig gemacht hast, sollte das Mehl an dem feuchten Vermikulit hängen blieben, aber keine verklebte Masse bilden.

Wenn du nicht die gewünschte Konsistenz erreicht hast, kannst du nachjustieren, indem du ein wenig Wasser hinzugibst, um das Ganze weniger trocken zu machen, oder Mehl hinzugibst, um das Ganze weniger klebrig zu machen.

Aber bitte aufpassen, lieber wenig hinzugeben, da du sonst ganz schnell von „fast perfekt“ zu „komplett daneben“ gehen kannst.

Gläser herrichten

Nachdem das Susbtrat hergerichtet ist, müssen die Gläser noch hergerichtet werden. Unser Pilz benötigt zum wachsen Sauerstoff. Deswegen muss er atmen können. Deswegen benötigen wir Löcher im Deckel.

Dafür legst du einfach den Deckel auf einen Untergrund, der kaputt gehen darf (schließlich setzt du einen Nagel durch den Deckel). Wenn du nichts findest, kannst du auch einfach von draußen einen Stein oder ähnliches verwenden. Alternativ würde auch ein Papierblock funktionieren.

Anschließend setzt du den Nagel an und schlägst ihn mit dem Hammer so durch den Deckel, dass ein Loch drinnen ist. Das machst du noch drei, vier Mal, sodass genug Luftaustausch stattfinden kann. Es muss nicht viel Luft raus und rein, drei nadeldicke Löcher sind auch nicht ausreichend.

Danach gibst du noch dein Substrat in das Glas und schon bist du fertig.

Jetzt kannst du dich entscheiden. Entweder du sterilisierst die Gläser noch, oder du arbeitest unsteril weiter. Bei Austernseitlinge ist es erfahrungsgemäß nicht zwingend notwendig das Substrat zu sterilisieren. Das liegt daran, dass Austernseitlinge sehr aggressiv sind und das Substrat sehr schnell kolonisieren. Dadurch haben Kontaminationen keine Chance sich festzusetzen.

Sobald du jedoch mit einer anderen, Nicht-Seitlingsart arbeitest, würde ich dir empfehlen das Glas zu sterilisieren. Dazu stellst du es auf einen Einsatz in kochendes Wasser oder einen Wasserdampfdruckkochtopf. Nach ca. einer halben Stunde erhitzen sollten alle Keime im Substrat abgetötet sein. Bitte darauf aufpassen: der Dampfdruckkochtopf sollte NICHT geöffnet werden, bevor er nicht auf Zimmertemperatur abgekühlt ist, da das Glas darin sonst zerspringen kann.

Nachdem du mit dem Sterilisieren fertig bist, ist es an der Zeit das Glas zu beimpfen. Dadurch schließt du es , führst die Sporenspritze durch die Öffnungen im Deckel und drückst jedes Mal ein wenig von der Flüssigkeit raus.

Myzel wachsen lassen

Der nächste Schritt ist tatsächlich der Schwierigste: jetzt heißt es abwarten. Nach ca. ein bis zwei Wochen sollte das komplette Glas von einer weißen, wattigen Schicht Myzel durchzogen sein. Sobald dieser Myzelteppich dicht ist, ist es an der Zeit den Deckel zu öffnen und den oberen Teil des Glases mit Wasser zu befeuchten. Aber aufpassen, es darf kein Wasser stehen bleiben!

Pilze wachsen lassen und ernten

Das Befeuchten wiederholst du jetzt zwei Mal täglich und schon nach kürzester Zeit sollten die ersten Pilze anfangen zu wachsen. Sobald diese groß genug sind, ist es an der Zeit zu ernten. Solltest du deine erste Ernte eingefahren haben, kannst du das Substrat eine Woche ruhen lassen. Anschließend kannst du das Myzel erneut befeuchten und es sollten neue Pilze wachsen. Das kannst du wiederholen, bis keine Nährstoffe mehr im Substrat vorhanden sind.

PilzeInGläser3

Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.